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St. Tropez - Tauchtour 2002

"Das war einfach suupi mit Euch"

Mittlerweile ist dieser Satz schon eine alljährliche Tradition bei unserer Südfrankreichtour. Der Mann, dem diese Worte mit einem Schmunzeln über die Lippen kommen, ist kein anderer als Alexander Vogl, von allen einfach "Alex" genannt. Alex ist der Basisleiter der European-Diving-School an der Cote d'Azur, ein paar Kilometer von St. Tropez entfernt. Angegliedert ist das Ganze an einen großen Campingplatz (KonTiki), der jedem Freund des einfachen Urlaubes das Herz höher schlagen läßt. Neben Supermarkt, Strandbars, Restaurants sowohl für den kleinen als auch für den großen Geldbeutel, findet man Mobilhomes - für 4 oder 6 Personen - ausgestattet wie eine kleine Wohnung und viele Zeltplätze. Aber eine Sache darf nicht fehlen und das ist natürlich der Hauptgrund, warum wir immer wieder kommen: das Meer mit seinen Wracks!
Und so machen wir uns jedes Jahr früh morgens auf mit unserem kleinen Konvoi (3 Autos vollgepackt bis obenhin mit Tauchausrüstung) nach St. Tropez. Rund 1000 Kilometer, die wollen natürlich gefahren werden. Bei Lauterburg geht's über die Grenze und dann immer weiter Richtung Süden. Trotz der weiten Strecke läßt es sich gut fahren, denn die Autobahnen, die ja in Frankreich privatisiert sind, sind natürlich in einem ausgezeichneten Zustand. Klar, irgendwo muß man die Mautgebühren (rund 50 € einfach) auch merken, nicht nur im Geldbeutel.
Abends haben wir es endlich geschafft! Links ab von der Straße, mit einem traumhaften Ausblick auf's Meer, liegt Kontiki. Die freundlichen Damen an der Rezeption begrüßen uns auf deutsch und klären uns auf, wo wir die Woche über wohnen werden. Nach einem kleinen Happen im legendären Blue Ancor fallen uns erschöpft die Augen zu und jeder träumt von den Wracks, die wir wieder betauchen werden. Mein Favorit ist natürlich die "Rubis"!
Am nächsten Morgen um halb neun finden wir uns an der Basis ein, die nur wenige Meter von unseren Mobilhomes entfernt ist. Mit einem Händeschlag werden wir von Alex empfangen, der sogleich dann alle Taucher zusammen trommelt. Freundlich aber auch mit einem gewissen Ernst werden wir mit den Spielregeln der Basis vertraut gemacht. Eine dreiviertel Stunde später schippern wir mit den Zodiaks zum ersten Tauchplatz. Zum eingewöhnen besuchen wir zunächst mal La Roche Quairolle, einen Felsen, der mich an eine Möwe im Flug erinnert. Die Sicht ist nicht sehr berauschend heute und Dirk, unser Kammeramann, muß sich mit Schwebeteilchen herumschlagen.
Ab Diestag beginnen dann endlich die Wracktauchgänge. Zunächst wäre da die "Prophet", ein Frachtschiff, das 1860 vor Cap Lardier gesunken ist und in einer Tiefe von 32 m auf Grund liegt. Die Sicht hat sich gebessert und so können wir das Fischgetümmel um die Wrackteile beobachten. Ein Oktopus verschwindet unter den Rumpfteilen, während der Drachenkopf sich von unserem Erscheinen unbeeindruckt zeigt.
Bei der nächsten Tour geht es richtig zur Sache. Unser Ziel ist die "Poursuivant", ein französischer Zerstörer, bei dem man immerhin auf 60 m absteigen muß. Aufgrund der beträchtlichen Tiefe bleibt natürlich nicht sehr viel Zeit bis der Computer das Ende der Nullzeit und den Beginn der Deko anzeigt. Trotz allem tauchen wir ums Heck herum und zu der Stelle, an der sie auseinander gebrochen ist. Mit unseren Lampen leuchten wir ins Innere. Ein Blick auf den Computer sagt uns, daß wir nach oben müssen.
Der Donnerstag führt uns zum wohl berühmtesten Wrack der Cote d'Azur, der "Rubis", ein U-Boot, das man als Minenleger einsetzte. Am 31.01.1958 wurde sie von der französischen Marine ehrenvoll versenkt. Es ist jedesmal ein Erlebnis, wenn wir am Seil ins Blaue absinken und plötzlich nach 15 m die Konturen des U-Bootes erkennen. Bei 42 m tauchen wir entlang der Bordwand, die mit herrlichen Gorgonien bewachsen ist, um das Wrack herum, vorbei an den Antriebsschrauben und den Torpedorohren. Ich tauche ein kleines Stück von der Rubis weg und lasse sie aus einer geringen Entfernung auf mich wirken. Dieses Wrack mit seinem emporragenden Gefechtsstand, ist wirklich einzigartig! Als nächstes nehmen wir uns die Aufbauten vor. Man kann von ihnen in die Einstiegsluke leuchten und weiter vorne schaut auch schon mal ein großer Conger Aal neugierig nach draußen. Der Tauchcomputer fordert uns wieder auf, das Erlebnis zu beenden. Beim Aufstieg bleibt unser Blick auf den Stolz der französischen Marine gerichtet, welches bereits von der nächsten Tauchgruppe besucht wird.
In dieser Woche besuchen wir noch die "Espinole", ein französisches Torpedoboot, welches in 38 m auf Sandgrund liegt und sich durch sein Geschütz, das noch einigermaßen erhalten ist, als weiteren Pflichttauchgang auszeichnet.
Ein weiterer Höhepunkt ist die "Togo", ein Frachtschiff, welches nach Italien verkauft wurde. Am 12. Mai 1918 lief sie auf eine Wassermine und sank ab auf 60 m. Wie die Rubis ist die Togo mit herrlichen Gorgonien bewachsen, aber aufgrund der beträchtlichen Tiefe nichts für Anfänger, denn sehr schnell ist man im Dekobereich und der Weg nach oben ist weit. Dennoch zählt die Togo neben dem U-Boot zu den schönsten Tauchgängen des Mittelmeres.
So schnell wie die Nullzeit sind auch die Tage in Südfrankreich um.
Für uns bleibt nur, zurückzublicken auf wunderschöne Wracktauchgänge, einen Einkaufsbummel durch die Gassen der Hafenstadt St. Tropez und gemütliche Grillabende mit viel Spaß bei einem kleinen Glässchen oder zwei?

Auf jeden Fall brechen wir auch 2003 wieder auf zu unserem Kumpel Alex, der es hoffentlich wieder "suupi" mit uns findet.
Es gehört eben dazu!

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Last modified: 31.10.2005
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